Germanistik. 13. 1972. S. 254/255.

 

1233      Petöfi, János S.: Transformationsgrammatiken und eine ko-textuelle Texttheorie. Grundfragen und Konzeptionen. – (Frankfurt:) Athenäum Vlg (1971). 301 S. 8° = Linguistische Forschungen. Bd. 3. Br. DM 38,–

 

Die Entwicklung der TG hat zu zwei unterschiedlichen Konzeptionen geführt. P. sieht in der Erstellung einer Texttheorie eine Möglichkeit, die beiden Richtungen miteinander zu vereinen. – Die erste Richtung, die ›Klassische Transformationelle Theorie‹, setzt mit Chomskys ‚Syntactic structuresʻ ein, wird von Lees weitergeführt und endet vorerst mit den ‚Aspectsʻ, wo semantische Überlegungen von Katz, Fodor, Postal miteingehen. Diese Arbeiten referiert P. ausschnittweise im 1. Teil, unter Einschluß von Weinreichs Kritik an Katz/Fodor. – Die zweite Richtung wird hauptsächlich im 2. Teil vorgestellt: Seurens ‚Operators and nucleusʻ-Modell; Fillmores Kasusgrammatik; Postal, Bach, McCawley als Vertreter der Generativen Semantik; Brekles satzsemantisches Modell; die ‚semantische Syntheseʻ von Žolkovskij/Mel’čuk. – Der 3. Teil referiert Arbeiten zu Fragen des Lexikons in einer TG (u. a. Bierwisch, Baille/Rouault, Lakoff). – Die Texttheorie behandelt der 4. Teil. Zunächst werden wiederum Arbeiten zur Textlinguistik referiert (u. a. Harris, Harweg). Seine eigenen Vorstellungen bringt P. gegen Ende des Buches: Er umreißt programmatisch den Aufbau einer ko-textuellen Texttheorie als Teil einer allgemeinen Texttheorie, wobei ›die ko-textuelle Texttheorie alle linguistisch erfaßbaren (grammatischen und nicht-grammatischen) Aspekte der Texte in Betracht‹ zieht (S. 258). P. trennt Komposition und Dekomposition von Texten; die Satzgrammatik, die bei der Komposition eine Rolle spielt, ähnelt Grammatiktypen des 2. Teils, während bei der Dekomposition eine Satzgrammatik klassischen Typs verwendet werden soll. Auf der Textebene liegt also die Möglichkeit zur Synthese der beiden konkurrierenden Konzeptionen. – P.s Referate bestehen häufig aus langen Zitaten, Tabellen, Formeln, die dem, der das betr. Werk nicht kennt, oft unverständlich bleiben müssen. Es fehlen Querverweise, Hinweise auf Zusammenhänge, kritische Stellungnahmen. Auch wird der Bezug zwischen den ersten drei und dem 4. Teil nicht deutlich genug hergestellt. Die Auswahl der referierten Arbeiten entspricht dem Stand von 1970.

 

Wilfried Kürschner, Tübingen